Anfangs dachte ich, ich wäre raus
- 3. Apr.
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Anita Lüneberg, 53 Jahre
Ich war Anfang 40, als ich die Diagnose rheumatoide Arthritis bekam. Das ist jetzt 10 Jahre her. Ich war damals irgendwie erleichtert, dass mir endlich geglaubt wurde. Ich hatte schon lange so ein komisches Gefühl in den Fingern, die wurden manchmal steif und geschwollen und haben geschmerzt bei Wetterumschwüngen. Aber wenn man so jung ist, sagt jeder Arzt „Nee! Hab dich nicht so!“ Und dann war da wirklich was.
Ich war im Oktober 2024 schon mal hier in der Weißenburg zur Medikamenteneinstellung. Die Wirkung der Medikamente war dann nach ein paar Monaten nicht mehr so wie erhofft. Als mein Rheumatologe mich wieder hierher verwies, habe ich mich total gefreut. Auch wenn es sich blöd anhört: Ich hatte schon beim ersten Mal bei der Aufnahme hier in der Klinik das Gefühl nach Hause zu kommen, jetzt beim zweiten Mal war es noch stärker. Hier werde ich verstanden, keiner guckt, wenn ich über den Gang humpele, weil die Kniee weh tun, keiner guckt, wenn ich die Tasse mit zwei Händen anfasse. Das machen hier eben alle so.
Für mich ist das ein ganz wichtiges Gefühl, dass ich nicht alleine bin, dass es viele gibt, die Rheuma haben, viele in meinem Alter und viele, die noch jünger sind. Hier habe ich das Gefühl, das mein Weg, den ich mit meinem Rheuma eingeschlagen habe, richtig ist, auch außerhalb der Schuldmedizin. Hier werde ich bestärkt, mich nicht unterkriegen zu lassen.
Ich habe seit Jahren schon meine Ernährung komplett umgestellt. Das lernt man hier in der Klinik auch sehr gut mit einer tollen Ernährungsschulung. Ich habe mir das Rauchen abgewöhnt. Ich habe meine Lebenseinstellung geändert. Auch wenn ich Rheuma habe: Das Leben ist trotzdem schön. Nicht immer, klar. Ich mache viel mit Kräutermedizin, ich belese mich sehr viel, ich versuche sehr viel nach Hildegard von Bingen zu machen. Das alles unterstützend zur Schulmedizin. Die Kombi macht´s. Etwas selbst zu tun, sich um sich selbst zu kümmern, gibt mir das Gefühl, das Ganze beeinflussen zu können.
An meiner positiven Einstellung zum Leben habe ich sehr hart gearbeitet. Das ging bei mir nicht ohne professionelle Hilfe. Durch die Diagnose kamen depressive Episoden. Anfangs dachte ich, ich wäre raus. Es war ein Prozess über Jahre, man muss dranbleiben. Man kann mit Rheuma wirklich ein gutes Leben führen. Sicher gibt es Zeiten, in denen geht das halt nicht, aber ich weiß ja, dass wieder andere Zeiten kommen, in denen man ein fast normales Leben führen kann.
Mit meinem Aufenthalt hier in der Klinik habe ich wieder einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ich möchte nun versuchen, die Zeiten der Regeneration noch mehr in meinen Alltag zu integrieren. Das hört sich hier in der Klinik immer so einfach an, ist es aber nicht. Man muss sich andere Abläufe schaffen, wenn man noch berufstätig ist. Die Routinen muss ich meiner Erkrankung anpassen. So zu tun, als wäre nichts, funktioniert nicht.



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