Wenn meine Finger wieder funktionieren, spiele ich erst mal eine Runde Gitarre
René Kälber
Die Diagnose rheumatoide Arthritis kam vor circa fünf Jahren aus dem Nichts. Das Nichts war ein schöner Urlaub am Gardasee. Ich bin morgens aufgestanden und der rechte Zeh war dick. Nach vielem Hin und Her und diversen Untersuchungen wurde dann eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Damals war ich Mitte 40. Bis dahin hatte ich Rheuma überwiegend mit alten Menschen verbunden. Wenn man sich dann mit dem Thema befasst, weiß man, dass sie auch junge Menschen treffen kann und dass es keine schöne Sache ist.
In meinem näheren Freundeskreis gibt es tatsächlich eine Frau, die schon in jungen Jahren an Rheuma erkrankt ist. Die Krankheit war mir also bekannt. Ich wusste natürlich nicht, wie sie sich anfühlt. Das lässt sich ja auch sehr schlecht beschreiben für jemanden ohne Rheumaerkrankung.
Ich habe keine Hemmungen zu sagen: Ich habe Rheuma. Ich muss halt immer schauen, wie ich damit umgehe. Mein Leben vor der Diagnose war ausgefüllt: Hobbys, Arbeit, Pläne. Vieles davon steht und fällt jetzt mit dieser Erkrankung. Man kommt sich in den Zeiten, in denen man Schübe hat, so sinnlos vor. Man kriegt ganz einfach nichts auf die Reihe.
Wenn man diese Erkrankung hat, ist man mehr oder weniger, ich will es mal ganz salopp ausdrücken, zu Beginn so eine Art Versuchskaninchen. So jedenfalls kam ich mir vor. Es werden die unterschiedlichsten Therapien und Medikamente ausprobiert, die oft nicht zum Erfolg führen. Sicherlich haben andere Betroffene diese Erfahrung auch gemacht.
In meinem großen Bekanntenkreis reden wir ganz offen über alle Dinge, die so zu besprechen sind. Und da habe ich berichtet, dass ich Rheuma habe und mit der Behandlung in einer anderen Klinik nicht zufrieden war. Ich konnte mich kaum noch bewegen. Es ging wirklich gar nichts mehr. So schlimm hatte ich das noch nie erlebt in den fünf Jahren. Und da hat mir eine Freundin die Klinik an der Weißenburg empfohlen. Die seien dort gut drauf, die haben eine sehr gute Expertise. Sie half mir bei der Kontaktaufnahme und jetzt bin ich hier.
Und total glücklich. Ich fühle mich hier absolut gut aufgehoben. Es fehlt an nichts, das muss ich ganz einfach so sagen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob das die Ärzte sind, Schwestern oder das Putzpersonal – vollkommen egal. Man wird hier so herzlich empfangen und man fühlt sich wohl. Die Leute machen hier ihren Job gerne, das merkt man sofort.
Ich bin jetzt eine Woche hier. Geändert hat sich an meinen Beschwerden im Moment noch nicht so viel, weil erst mal ganz viele Untersuchungen gemacht worden sind. Dr. Schneider und Team suchen eben die Nadel im Heuhaufen. Dr. Schneider ist da wahrscheinlich Perfektionistin. Das finde ich total klasse, lieber so als anders. Und jetzt sind tatsächlich Dinge gefunden worden, an die bisher keiner gedacht hat. Da können wir ansetzen. Darüber bin ich wirklich glücklich.
Wenn ich meinen Leuten zu Hause berichte, wie der Tag hier abläuft, sind sie ganz verwundert. Wow, die vielen Therapien sind ja richtig Stress, sagen sie. Klar, wenn man den Therapieplan so sieht, ist da ordentlich was los. Aber es ist kein Stress. Ich finde es erstaunlich, wie das alles hier so nahtlos ineinandergreift. Ja, da wird nichts dem Zufall überlassen. Ich bin total begeistert, also ehrlich jetzt.
Natürlich trifft man hier in der Fachklinik mehr Leute mit dem gleichen Krankheitsbild, anders als zu Hause oder auf der Arbeit oder wo auch immer. Ich habe dennoch die Erfahrung gemacht, dass erstaunlich viele Menschen Rheuma haben. Dieses „Ach, Du hast das auch!“ habe ich außerhalb der Klinik schon häufiger gehört. Man kommt dann ins Gespräch, tauscht sich aus, will wissen, wie es begann und stellt fest: Irgendwie ist es immer fast das Gleiche. Bei den meisten kam die Krankheit aus dem Nichts.
Ich kann jetzt schon sagen, dass ich ganz viel für mich mitnehme, wenn ich entlassen werde. Ich nehme mit, dass ich bewusster mit der Krankheit umgehen werde. Ernährungstechnisch nehme ich viel mit, bewegungstechnisch nehme ich viel mit und ich nehme auch mit, mehr auf meinen Körper zu hören, damit es dann nicht so weit kommt, wie es bei mir jetzt ist. Ja, das ist alles so ein Teufelskreis. Es ist ja auch nicht so einfach, einen schnellen Termin beim Facharzt zu bekommen. Ich werde besser auf mich achten. Denn wenn ich’s nicht mache, wer dann?
Wenn ich in zwei Wochen nach Hause komme und meine Finger wieder funktionieren, werde ich erst mal eine Runde Gitarre spielen. Das wird großartig.
